STAFFEL II – Folge 1

#1 Folge/ Teil 1 – Gewalt im Film


‘I avoid violence in the movies because now, after various and intense experiences of physical pain, it affects me more strongly than it did before.’ (Vivian Sobchack 2000: 119)

Im ersten Teil sprechen wir über Gewaltdarstellungen im Film und nähern uns einer historischen Betrachtung der Rezeption medialer Gewaltrepräsentationen. Wie hängen filmische Inszenierungsweisen mit realen Erfahrungswelten zusammen und Narrationen von Opfer und Täter*in mit stereotypisierten Sehgewohnheiten? Kann die Antwort auf eine Gewalterfahrung nur als Gegenangriff stattfinden? Akteurinnen von Rape-Revenge Filmen wirken durch ihre physische Gewaltanwendung weitaus emanzipatorischer als jede femme fatale, so Miriam Hansen (1995). Femme fatale, Racheagentin oder schutzbedürftiges Opfer? „Everyone knows what violence is“, sagt James Kendrik (2006: 9) und wir stellen diese Grundannahme in Frage. Wenn das Medium Film und seine Bilder per se voyeuristisch angelegt sind, wie können Gewalterfahrungen als Teil eines fiktionalen Subjektivierungsprozesses dennoch erlebbar gemacht werden, um Alternativen zu medialen Berichterstattungen zu bilden?


Teil 2 – Sexualisierte Gewalt und toxische Männlichkeit – quantitative Analyse

Im zweiten Teil der ersten Folge der zweiten Staffel ist der Schwerpunkt auf einer quantitativen Analysemethode. Sexualisierte und nicht-sexualisierte Gewalt wird in verschiedenen Ausformungen vorgestellt, Unterscheidungen zwischen formellen und nicht-formellen Kontexten sowie unterschiedliche Intensitätsstufen von sexualisierter und nicht-sexualisierter Gewalt werden besprochen. Der Unterschied zwischen aktiver und passiver Position bei Gewalterfahrungen und Gewaltakten wird erläutert und die drei grundlegenden Hypothesen zur Gewaltdarstellung im österreichischen Spielfilm mit denen Barbara sich in ihrer Forschungsarbeit beschäftigt vorgestellt und beantwortet.

Ein kleines Preview auf Barbara`s Dissertationsergebnisse sozusagen!

Die inferenzstatistischen, wie deskriptiven Analysen beziehen sich auf 152 Spielfilme in den Jahren 1997 bis 2017 und werden auf Unterschiede zwischen weiblicher und männlicher Regie sowie zwischen weiblichen und männlichen Figuren hin getestet.

Zusammen mit den filmhistorischen Überlegungen vom ersten Teil, runden wir die Folge mit Analysen in Bezug zu den fünf ausgewählten Filmen bzw. Serien ab.


Filme/ Serien #1

Antares, R/D: Götz Spielmann, AT 2004
Ma Folie, R/D: Andrina Mračnikar, AT 2015 KINO VOD CLUB
Esmas Geheimnis – Grbavica, R: Jasmila Žbanić; D: Jasmila Žbanić und Barbara Albert, AT/ BIH / GER/ HRV 2006
Promising Young Woman, R/D: Emerald Fennell, USA/ UK 2020
Nordrand, Regie/Drehbuch: Barbara Albert, AT/CHE/D 1999 – KINO VOD CLUB
Serie netflix: Freud, R: Marvin Kren, D: Marvin Kren, Stefan Brunner, Benjamin Hessler, AT/ GER/ CZE 2020

Weiterführende Filmempfehlungen:

Una Primavera, Regie: Valentina Primavera, AT/DE/IT 2018 – KINO VOD CLUB
Quo Vadis, Aida, R: Jasmila Žbanić; D: Jasmila Žbanić , BIH/ GER/ FR/ AT/ PL/ ROU/ NL/ NOR 2020 KINO VOD CLUB
Auswege, R: Nina Kusturica, D: Barbara Albert, 2003

Shownotes #1

Literatur:

Kendrick (2009). Film violence : history, ideology, genre/ Wallflower.
Hansen, Miriam Bratu (1995) “Gewaltwahrnehmung Und Feministische Filmtheorie: Benjamin, Kracauer Und Der Neue »Gewalt-Frauenfilm«.” Frauen Und Film, no. 56/57: 25–38. http://www.jstor.org/stable/24058299.
Hill, Annette (1997), Shocking Entertainment: Viewer Response to Violent Movies. Luton: John Libbey Media, University of Luton Press
hooks, bell (2001), All about love. New York: HarperCollins.
Koch, Angela (2015). Ir/reversible Bilder. Zur Visualisierung und Medialisierung von sexueller Gewalt. Berlin: Vorwerk 8. 
Koch, Angela (2013). Sexuelle Gewalt und traumatische Erzählung. Überlegungen zum Film Grbavica – Esmas Geheimnis. In: Julia Bee, Reinhold Görling, Johannes Kruse, Elke Mühlleitner (Hg.): Folterbilder und -narrationen. Verhältnisse zwischen Fiktion und Wirklichkeit. Göttingen: V&R Unipress, S. 127-144.
Koch, Angela (2018). Sex or Rape? Diskursive Rahmung und visuelle Setzung als konstituierende Momente von sexueller Gewalt. In: Preußer, Heinz-Peter (Hg.): Gewalt im Bild. Ein interdisziplinärer Diskurs. Marburg: Schüren, S. 341-355.
Kroon, Richard W. (2014). “Motion Picture Producers & Distributors of America; MPPDA.” A/V A to Z: An Encyclopedic Dictionary of Media, Entertainment and Other Audiovisual Terms, 1st edition. Credo Reference.
Lev, Peter (2003). “Censorship and Self-Regulation.” Transforming the Screen, 1950-1959, edited by Charles Harpole, vol. 7, Charles Scribner’s Sons, pp. 87-105. Gale Virtual Reference Library.
Sobchack, Vivian (2000). ‘Afterword: The Postmorbid Condition’, Stephen Prince (ed.) Screening Violence. New Brunswick, NJ: Rutgers University Press, 119–24.

Weiterführende Literatur:

Kotthaus, Jochem (2015). Sexuelle Gewalt im Film. Weinheim [u.a.]: Beltz Juventa.
Kupfer, J.H. (2018). Aesthetic Violence and Women in Film: Kill Bill with Flying Daggers (1st ed.). Routledge. https://doi-org.uaccess.univie.ac.at/10.4324/9781315228143
hooks, bell, 2004b. The Will to Change. New York: Atria Books.
Poole, Ralph J. (2018). « “Rise like two angels in the night:” Sexualized Violence against Queers in American Film », European journal of American studies [Online], 13-4  

Weitere Podcasts mit Barbara und Bianca:

CUTS – der kritische Filmpodcast
Transitionen
Projektionen on Demand

Veranstaltungen:

Filmmuseum Ottinger Werkschau: ab /seit 26. Mai bis 30. Juni
Queer Cinema Made in Austria
Pride Special im Filmhaus
24.05./ 25.05./ 31.05./ 01.06.2022: Filmreihe post-jugoslawischer Film im Arthouse Kino Filmakademie Wien
Vortrag: „Mixed Feelings: Film Music and Modernity in the History of Emotions“, 14.06.2022, 18:00, Workshop
„Film – Musik – Erinnerung“, 15.06.2022, 15:00–18:00

Was tun bei Gewalt oder Übergriffen:

Interventionsstelle Wien
24-Stunden Frauennotruf: 01 71 71 9 – Hilfe für Frauen und Mädchen (wien.gv.at)
Stadt Wien Frauenzentrum
Autonome Frauenberatungsstelle bei sexueller Gewalt