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Staffel IV: Über Gespenster, Zeit und Sorgearbeit mit Simon Nagy


Staffel IV: Über Gespenster, Zeit und Sorgearbeit mit Simon Nagy

Warum haben wir immer zu wenig Zeit? Wessen Zeit wird in unserem System gesehen und wertgeschätzt? Simon Nagy spricht mit Bianca über seinen Essay Zeit abschaffen. Ein hauntologischer Essay gegen die Arbeit, die Familie und die Herrschaft der Zeit (2025 in der zweiten Auflage bei Unrast erschienen), seine mit Lia Sudermann realisierten Filme Kein Wunder (AT 2024) und Invisible Hands (AT 2021) und über Ratchapoom Boonbunchachokes schwarze Komödie A Useful Ghost (TH/FR/SG/DE 2025). 

Simon arbeitet u.a. als Autor, Vermittler, Wissensproduzent und setzt sich dabei mit queer-feministischer, linker Theorie und erinnerungspolitischen Themen auseinander. In Zeit abschaffen begibt er sich auf die Suche nach den Gespenstern vergangener, revolutionärer Ideen von Zukunft. Visionen, die der Optimierung des Neoliberalismus und dem patriarchalen Kapitalismus alternative Ideen der Lebensgestaltung entgegensetzten. Sind wir heute wirklich ausweglos dem Kapitalismus ausgeliefert? Die queer-feministische Theoretikerin Silvia Federici schreibt, dass der Kapitalismus von Anfang an eine Konterrevolution war, die Kollektives, Emanzipationsbestrebungen und Formen des sozialen Zusammenleben jenseits der Kleinfamilie zerschlägt. „Was fortlebt, nämlich für uns im Alltag erfahrbar fortlebt, sind nicht die irgendwann einmal aufgesprossenen Keime von alternativen Lebensweisen, sondern die Gewalt, mit der diese erstickt wurden“, schreibt Simon. In seinem Essay bezieht er sich u.a. auf Ansätze von Silvia Federici, Sophie Lewis und Shulamith Firestone (neben jenen von Karl Marx, Mark Fisher und Herbert Marcuse), stellt Verbindungen zu Filmen wie Parasite (KR 2019), Ruins In Reverse (UA/AT 2020) und Unruh (CH 2022) her.

Wie das alles mit Sorgearbeit, und Liebe zusammenhängt – darüber reflektieren Simon und Lia in ihren beiden Filmen, in denen sie mit Amateurfilmmaterial und Sprachnachrichten arbeiteten (Invisible Hands ist online frei verfügbar). Was sehen wir in den Homevideoaufnahmen: Liebe oder Arbeit?

Widerständige – und brave – Gespenster tauchen auch in Ratchapoom Boonbunchachokes A Useful Ghost auf, was Simon und Bianca dazu anregte, sie ins Gespräch miteinzubringen. Ein Hit auf der Semaine de la Critique in Cannes 2025, erreichter er jetzt unsere Kinos. Schwules Begehren, Aufstände gegen schlechte Arbeitsbedingungen, die Wiederkehr von Verstorbenen in Staubsaugern, der Staub der Geschichte – Anspielungen auf die Massaker in Thailand 2010 und den Putsch 2014 – vermischen sich in dieser Komödie zu einem reichhaltigen Plot. Die Gespenster sind überall.

#7 Shownotes

Zeit abschaffen. Ein hauntologischer Essay gegen die Arbeit, die Familie und die Herrschaft der Zeit(Simon Nagy, Unrast Verlag, 2. Aufl. 2025)
Invisible Hands (Lia Sudermann & Simon Nagy, AT 2021, 12:24 Min) – ganzer Film
Kein Wunder (Lia Sudermann & Simon Nagy, AT 2024, 12 Min)  – bis 10.1.2027 in der Ausstellung „Alles Arbeit“ im Haus der Geschichte Österreich zu sehen.
Ruins In Reverse (2020, Ukrainian, Olena Newkryrta, 25 min) – ganzer Film
A Useful Ghost (TH/FR/SG/DE 2025, Ratchapoom Boonbunchachoke)
Revolution at Point Zero – Hausarbeit, Reproduktion und feministischer Kampf (Silvia Federici, auf Deutsch bei Unrast, auf Englisch open access)
Das Lohnpatriarchat – Texte zu Marxismus & Gender (Silvia Federici, auf Deutsch bei Mandelbaum)
The Dialectic of Sex. The Case for Feminist Revolution (Shulamith Firestone, 1970)
Abolish the Family:A Manifesto for Care and Liberation(Sophie Lewis, 2022, Verso Books)
Abolish the Family– talk with Sophie Lewis (YouTube)
The Golden Pixel Cooperative

A Useful Ghost © Little Dream Pictures / Polyfilm
Invisible Hands © Sudermann/Nagy
Invisible Hands © Sudermann/Nagy
Kein Wunder © Sudermann/Nagy
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Staffel IV: Über Race, Medienräume & iranische Diasporafilme mit Alena Strohmaier


#5 Staffel IV: Über Race, Medienräume & iranische Diasporafilme mit Alena Strohmaier

Schon seit Erscheinen des Sammelbandes Rassismus im Film (kostenlos zum Download verfügbar), den sie 2024 gemeinsam mit Ömer Alkin herausgegeben hat, hatten wir vor mit Dr. Alena Stromaier zu sprechen. Nun ist es soweit: von der Philipps-Universität Marburg zugeschaltet, gibt Alena im Dialog mit Bianca Einblicke in Inhalte, Ansätze und Entstehung dieser Publikation. Die Autor*innen weisen ein breites Spektrum an interdisziplinären Ansätzen und Expert*innenfeldern auf. Gemeinsam ist ihnen das Ziel, rassistischen Wissensanordnungen, die Filme und Serien (re)produzieren zu analysieren, zu dekonstruieren und postkoloniale Theorien stärker in der deutschsprachigen Forschung zu verankern. Alena erklärt wie z.B. die Serie Queen Charlotte – A Bridgerton Story (Idee: Shonda Rhymes, USA seit 2023) sich eignet, die mediale Herstellung von race und kolonialen Kontinuitäten zu verstehen. Bridgerton lädt dazu ein, über die Verstrickung von race, Genre, Massenphänomenen und politischer Realität nachzudenken: „A problem is only a problem if the palace says it is a problem“, zitiert Alena aus der Serie. Über Critical Whiteness und der unsichtbaren Normierung von Weißsein kommen auch die Texte“When we Are Capable of Stopping, We Begin to See. Being White, Seeing Whiteness“ von Ruth Frankenberg und „White“ von Richard Dyer zur Sprache. Zuletzt erzählt uns Alena noch über ihre Forschung zu iranischen Diasporafilmen und die Auffassung eines Medienraums als sozialen, affektiven und kulturellen Raums, in dem sich Bedeutung konstituiert.

Queen Charlotte (Foto: LIAM DANIEL/NETFLIX – © 2023 Netflix, Inc.)

Literatur:

Alkin, Ömer; Strohmaier, Alena (Hg.): Rassismus im Film. Marburg: Schüren, 2024: https://www.schueren-verlag.de/programm/titel/rassismus-im-film.html

Strohmaier, Alena: „Iranische Diasporafilme im Wandel der Zeit“. kolik.film, Sonderheft 43. Wien: April 2025.

Strohmaier, Alena: Medienraum Diaspora. Verortungen zeitgenössischer iranischer Diasporafilme. Wiesbaden: Springer, 2019: https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-658-24606-8

Forschungsnetzwerk Postcolonial Hierarchies: https://www.postcolonial-hierarchies.net/

Kandioler-Biet, Nicole; Makarevic, Asja; Strohmaier, Alena: Ankündigung Schriftenreihe Post-Welten: Film, Medien und Kultur (NOMOS Verlag) – noch kein Link vorhanden

Frankenberg, Ruth:  “When we Are Capable of Stopping, We Begin to See. Being White, Seeing Whiteness“. In ders.: Names We Call Home. New York: Routledge, 1996: https://www.taylorfrancis.com/chapters/edit/10.4324/9780203724187-2/capable-stopping-begin-see-ruth-frankenberg

Dyer, Richard: White: Essays on Race and Culture. New York: Routledge, 1997: https://doi.org/10.4324/9781315003603

Lugones, Maria: „The Coloniality of Gender“. In: Harcourt, Wendy (Hg.): The Palgrave Handbook of Gender and Development. London: Palgrave Macmillan, 2016: https://doi.org/10.1007/978-1-137-38273-3_2 

Morrison, Toni, „Rezitativ“. In: Amiri Baraka (LeRoi Jones), Amina Baraka (Hrsg.): Confirmation: An Anthology of African American Women. Morrow, 1983.

„Differenzen in der Filmwissenschaft: Linda Waack im Gespräch mit Julia Bee, Nicole Kandioler und Alena Strohmaier“, 27.06.2022: https://nachdemfilm.de/issues/text/differenzen-der-filmwissenschaft

Hall, Stuart. „Encoding/decoding“. In: Hall, S. et al. (Hg.) Culture, media, language: Working papers in cultural studies, 1972-79. London: Hutchinson, pp. 128–138.

Filme/Serien:

40 qm Deutschland (Tevfik Başer, DE 1986) (YouTube)Born in Evin (Maryam Zaree, AT/DE 2019)

Ben annemin kızıyım – Ich bin Tochter meiner Mutter (Seyhan Derin, DE 1996) (YouTube)

Born in Evin (Maryam Zaree, AT/DE 2019)

Bridgerton (Idee: Chris van Dusen, USA seit 2020)

Queen Charlotte – A Bridgerton Story(Idee: Shonda Rhymes, USA seit 2023)

Roots Germania (Mo Asumang, DE 2007) (YouTube) – Burrhus Njanjo

Shahid (Narges Kalhor, DE 2024)

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Season IV: The Sound of Music & Ramsau am Dachstein

#1 Framing Landscapes: The Sound of Music meets Elfriede Jelinek

We start our new season with the all-time classic „The Sound of Music“ (US 1965), an escapist dream set in the Austrian landscape of Salzburg. The musical is based on the true lives of the Family von Trapp who could flee the Nazi terror and make a career as musicians in the States. Being one of the highest grossing films in history it stirs a longing for harmony in its audience that seems to last till this day. But which values does the story pursue and naturalize? We analyze the protagonist Maria (Julie Andrews), her roles as a nun, a governess, a wive and potenzial mother – and as a queer icon. We analyze how traditional gender roles and nature oppose the evil – the threat by the Nazis. We also take a close look the narrative of „Austrianness“ that the film creates. Additionally we are asking which role the landscape takes in „The Sound of Music“ and how the Trapp Family received the film.

With our second film we deepen the critical look on the questions posed. „Ramsau am Dachstein“ (AT 1976), a TV film that Elfriede Jelinek wrote and realized with director Claus Homschak questions the romanticized depiction of Austrian landscapes in media. Made available with Englisch subtitles by the distributor sixpackfilm we seized the occasion for a comparison. With Jelinek we ask: Who do we see as working in and on this landscape? Who does profit from it? And why is a film like „Ramsau am Dachstein“ and it’s scandalous reception so telling for a discourse on what Austria is, could and should be after 1945?

Ned Wuascht · The Sound of Music meets Elfriede Jelinek

Shownotes:
Brett Farmer (2007) Julie Andrews Made me Gay,“ Camera Obscura, https://read.dukeupress.edu/camera-obscura/article-abstract/22/2%20(65)/144/97544/Julie-Andrews-Made-Me-Gay?redirectedFrom=PDF
Caryl Flinn  (2015) The Sound of Music, BFI Film Classics
Ramsau am Dachstein INDEX Edition by sixpackfilm (also in English!) https://www.sixpackfilm.com/en/indexedition/releases/ 
Sylvia Szely (2005), Spiele und Wirklichkeiten – Rund um 50 Jahre Fernsehspiel und Fernsehfilm in Österreich
Stacy Wolf (2002), A Problem Like Maria: Gender and Sexuality in the American Musical
Agathe von Trapp (2003): Memories Before and After the Sound of Music: An Autobiograph
Maria von Trapp (1949): The Story of the Trapp Family Singer

Further reading & episodes mentioned:
Robert von Dassanowsky (2005), Austrian Cinema. A History
Robert von Dassanowsky, Oliver C. Speck (2011), New Austrian Film
History of the Austrian Social Welfare State (in German):
https://www.demokratiezentrum.org/wp-content/uploads/2022/10/talos_wohlfahrtsstaat.pdf

Episode with Käthe Kratz (in German)
Episode about Sissi (in German)

Films
The Sound of Music (US 1965), director: Robert Wise, screenplay: Ernest Lehman, based on the musical
Die Trapp-Familie (BRD 1956), director: Wolfgang Liebeneiner
Die Trapp-Familie in Amerika, (BRD 1958), director: Wolfgang Liebeneiner
Im weißen Rössl (The White Horse Inn) (AT/BRD 1960), director: Werner Jacobs
Ramsau am Dachstein (AT 1976), director: Claus Homschak, screenplay: Elfriede Jelinek
Vollgas (AT 2002), director: Sabine Derflinger
Mariedl (2014), director: Sybille Bauer-Zierfuß

The Sound of Music, Copyright: 20th Century Fox Home Entertainment
Die Ramsau am Dachstein, Copyright ORF/epo-film
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